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Morgenröte oder …………!
Er hatte nicht unruhig geschlafen, aber wachte trotzdem
früh auf. Die Sonne würde gleich aufgehen. Er nahm ein Stück Brot, Käse und
Wurst und begab sich hinunter zum Fluss, der sich am Rande eines Tales
dahinzog. An der südöstlichen Seite des Wassers erstreckte sich der ebene
Teil. Langsam stieg die Sonne über die Bergkuppen und zeigte ihr blutiges
Rot.
Wie vor 50 Jahren, als er sie kennenlernte. Er war damals
verheiratet, auch ihre Haut hatte am Ringfinger einen weißen Streifen, aber
das sollte er erst später bemerken. Wahrscheinlich war auch sie manchmal
einfach unzufrieden. Unzufrieden nicht grundsätzlich, aber irgendetwas fehlte
in ihrem Leben, wie ein bisschen Salz in der Suppe.
Langsam war sie gekommen, zuerst unsicher. „Was macht ein
junger Mann hier allein?“ – fragte sie sich. „Er ist verheiratet, das sehe
ich an seinem Ring, er hat keine Angelrute.“ Sie sahen einander an. Zuerst
nur solange der andere nicht schaute. Er war ein bisschen schüchtern,
brauchte Aufmunterung. Diese Zurückhaltung gefiel ihr, deshalb gab sie ihm
die Ermutigung. „Nein, er würde nicht gewalttätig sein, aber ihm fehlt
natürlich das Draufgängertum, was einen richtigen Mann ausmacht. Man/Frau
kann nicht alles haben!“ Wenn genug Salz da ist, fehlt der Pfeffer!
Sie hatte nicht freiwillig geheiratet. Ihre Mutter hatte
ihr immer eingetrichtert: „Lieber reich und unglücklich, als arm und
unglücklich, weil das Glück sowieso einmal zu Ende gehe und dann nur noch der
Alltag bleibe.“ Hatte sie aus Erfahrung gesprochen und wollte ihre Tochter
vor dem Schlimmsten bewahren? Sie wusste, dass ihre Mutter nicht glücklich
war, vielleicht weil sie nicht aus Liebe geheiratet hatte. Das Weltbild ihrer
Mutter war zusammengebrochen. Wie konnte man dann noch ausgeglichen
weiterleben? Vor allem war ihre Mutter prüde, nichts konnte man mit ihr
besprechen.
Sie setzte sich neben ihn und streckte die Hand ein
bisschen nach vorn. Er verstand das Zeichen und nahm die ihre in seine. Sie
sprachen kein Wort, verließen sich ganz auf Körpersprache. Es tat gut, nichts
erklären zu müssen.
Überwältigt vom eigenen Hormonausschuss blieben sie noch
ein bisschen liegen, bevor sie ihre Kleidung zurechtmachten. Er gab ihr noch
einen zärtlichen Kuss und sie ging weg. Lange sah er ihr nach. Würde sie
wiederkommen?
Seit 50 Jahren hatte er gewartet, dass sie wieder
erscheint. Davon hatte er sein ganzes Leben lang gelebt. Fast jeden Morgen
war er hier gesessen.
Und jetzt kam sie endlich. Sie waren nicht mehr jung.
Sowohl seine, als auch ihre Erwartungen waren einfach zu groß, um der
Wirklichkeit standzuhalten. Beide waren enttäuscht, und gingen wortlos
aneinander vorbei. Auch jetzt hätten sie nur die Körpersprache verstehen
wollen.
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Else
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Else
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Else
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Else
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Else
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Montag, 6. Juli 2015
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